Die Team­stu­die “Self-Orga­niz­a­ti­on and Group Crea­ti­vi­ti­vy” von Tomas Back­ström und Tobi­as Söder­berg zeigt, dass Grup­pen von einem Pro­zess­rah­men pro­fi­tie­ren, wenn sie krea­ti­ve Ideen ent­wi­ckeln. Sie beschreibt sehr gut, wie Krea­ti­vi­tät in der Grup­pe durch Pro­zess­mo­del­le geho­ben wer­den kann. Pro­zess­mo­del­le stel­len einen Rah­men für die Arbeit zur Ver­fü­gung, der sich an empi­ri­schen Erkennt­nis­sen aus­rich­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund ist z.B. auch Scrum ein sol­ches Pro­zess­mo­dell, jedoch für die Ent­wick­lung all­ge­mein. Das hier ver­wen­de­te GoPro-Modell ist auf Krea­ti­vi­tät im Grup­pen­pro­zess ausgerichtet.

Vor­he­ri­ge Stu­di­en hat­ten bereits gezeigt, dass die Krea­ti­vi­tät einer Grup­pe nicht von der der ein­zel­nen Mit­glie­der abhän­gig ist. Bei­spiels­wei­se waren Tai­wa­ne­si­sche Grup­pen auf der Grup­pen­ebe­ne krea­ti­ver als auf der indi­vi­du­el­len. Grup­pen mit vie­len diver­gent den­ken­den Teil­neh­mern brach­ten oft schlech­te­re Ergeb­nis­se. Dabei ist Krea­ti­vi­tät nach Ander­sen dadurch defi­niert wie neu und wie nütz­lich eine Idee ist. Die Stu­die mit zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Stu­den­ten arbei­te­te bei einer Grup­pe mit einem Grup­pen­pro­zess­mo­dell namens Gro­Pro, das drei Ebe­nen umfasst:

“The rela­ti­on level with both indi­vi­du­al auto­no­my and socia­li­sa­ti­on into the group and its task, 2. The infor­ma­ti­on flow level with both indi­vi­du­al diver­gent ide­as and con­ver­gent group ide­as com­mon to all group mem­bers, and 3. The action level with both indi­vi­du­al explo­ring and expe­ri­men­ta­ti­on, and the explo­i­t­ing of the group’s resour­ces to meet the tasks of the group. The­se three levels times two per­spec­ti­ves form the six dyna­mic islands of the GroPro-model.”

Dar­aus ent­stan­den sechs Inseln, die alle durch­lau­fen wer­den müssen:

  1. Die Insel der indi­vi­du­el­len Ideen (hier macht sich jeder sei­ne indi­vi­du­el­len Stär­ken bewusst; Inst­ruc­tion: “Work indi­vi­du­al­ly and be quiet. Think of what you are espe­cial­ly good at when it comes to each respec­ti­ve task in crea­ti­ve group processes.”)
  2. Die Insel der Sozia­li­sie­rung (hier kom­men die Team­mit­glie­der in Kon­takt; Insti­tu­ti­on: “Tell one ano­t­her what you are espe­cial­ly good at and dis­cuss pos­si­ble orga­ni­sa­ti­on of the work.”)
  3. Die Insel der Ideen-Gene­rie­rung (hier sol­len gemein­sam Ideen ent­wi­ckelt wer­den; Instruk­ti­on: “Work indi­vi­du­al­ly and be quiet. Gene­ra­te ide­as for the task.”)
  4. Die Insel des Ideen-Manage­ments (hier sol­len die Ideen dis­ku­tiert wer­den; Inst­ruc­tion “Tell one ano­t­her about your ide­as, and try to deve­lop them further.”)
  5. Die Insel des Ent­de­ckens (hier sol­len die Ideen erforscht wer­den; Inst­ruc­tion “Work indi­vi­du­al­ly and be quiet. Now you are allo­wed to use the mate­ri­al to expe­ri­ment on ideas.”)
  6. Die Insel der Nütz­lich­keit (hier sol­len die Ideen aus­ge­wer­tet wer­den, auch hin­sicht­lich des Poten­zi­als der Grup­pe; Instruk­ti­on “Per­form the task together.”)

Es wer­den also immer wie­der Ein­zel- und Grup­pen­ar­bei­ten abge­wech­selt, mit jeweils kla­rem Auf­ga­ben­rah­men. Grup­pen, die die­ses Modell ver­wen­de­ten, pro­du­zier­ten mehr Ideen und waren auch effek­ti­ver in der letzt­end­li­chen Lösung. Der Grup­pen­pro­zess sei sehr viel wich­ti­ger ist als die Krea­ti­vi­tät von Ein­zel­nen, stel­len die Autoren fest.

Die gan­ze Stu­die online.