Von der Kunst, Zie­le wirk­lich erreichen

Tipps für die Jahreswende

Der Jah­res­wech­sel. Alles neu? Nein, sicher nicht. Aber die idea­le Zeit, um sich noch mal hin­zu­set­zen und über die eige­ne Aus­rich­tung nach­zu­den­ken. Es geht um Zie­le — und wie wir sie auch wirk­lich erreichen.

  • „Du musst nur ein Ziel haben!“
  • „Erfolg? Das ist ganz ein­fach: Du brauchst Ziele!“
  • „Set­ze dir Zie­le – und du kannst alles schaffen!“

Zum Jah­res­wech­sel schallt es wie­der aus allen Ecken: For­meln für Ver­än­de­rung wer­den poliert, Visio­nen beschwo­ren, Stra­te­gien aus­ge­ar­bei­tet, Zie­le for­mu­liert. Beson­ders beliebt bleibt das SMART-Prin­­zip: Zie­le sol­len spe­zi­fisch, mess­bar, attrak­tiv, rea­lis­tisch und ter­mi­niert sein.

Das Ver­spre­chen dahin­ter: Mit den rich­ti­gen Zie­len lösen sich alle Pro­ble­me. Doch die Rea­li­tät sieht oft anders aus.

Ich erin­ne­re mich an eine Unter­neh­me­rin, die ihre Zie­le genau nach SMART defi­niert hat­te. Das Ergeb­nis? Insol­venz. War­um? Sie hat­te die Ana­ly­se des Pro­blems ausgelassen.

In vie­len Jah­res­ge­sprä­chen wer­den Zie­le for­mu­liert, die nie­man­den wirk­lich inter­es­sie­ren. Man erkennt sie dar­an, dass sie schnell wie­der ver­ges­sen wer­den – oft schon nach ein paar Tagen oder Wochen. Sol­che irrele­van­ten Zie­le sind wie Regeln, die nie­mand ein­hält: gut gemein­te Ablen­kung ohne ech­ten Wert. Statt­des­sen könn­te man genau­so gut über das Wet­ter sprechen.

Was macht die Kunst der Ziel­er­rei­chung aus?

Rund um Zie­le hal­ten sich eini­ge Mythen hart­nä­ckig. Ein beson­ders zäher Irr­glau­be: Zie­le müs­sen groß und ambi­tio­niert sein. Doch genau das führt oft dazu, dass sie uner­reicht blei­ben – beson­ders im per­sön­li­chen Bereich. Was wirk­lich zählt, ist der Kon­text. Han­delt es sich um Unter­neh­mens­zie­le oder per­sön­li­che Vor­sät­ze? Braucht es eine tie­fe­re Pro­blem­ana­ly­se? Ist eine Visi­on hilf­reich oder sogar hinderlich?

Neh­men wir ein ein­fa­ches Bei­spiel: Wer ab Neu­jahr nur noch zwei statt fünf Glä­ser Wein pro Woche trin­ken möch­te, braucht kei­ne Visi­on und kei­ne lang­wie­ri­ge Ana­ly­se. Die eige­ne Moti­va­ti­on reicht völ­lig aus. Aber wer mit einem Unter­neh­men Markt­füh­rer in der KI-Imple­­men­­tie­rung wer­den will, braucht nicht nur eine kla­re Stand­ort­ana­ly­se, son­dern auch eine star­ke Visi­on, die das Vor­ha­ben trägt.

Zie­le sind nicht gleich Ziele.

Hai­fi­sche und Kro­ko­di­le im Kopf

Es gab eine Zeit, da war es im Coa­ching en vogue, bun­te Zukunfts­bil­der zu malen. Lei­der führ­ten die­se häu­fig ins Nichts – oder sogar zur Frus­tra­ti­on. Vie­le ver­zwei­fel­ten an sich selbst, weil sie ihre ambi­tio­nier­ten Visio­nen nicht umset­zen konn­ten. Die Ursa­che? Unrea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen, oft noch ange­heizt von Coa­ches, die fal­sche Ver­spre­chen machten.

Wer Zie­le errei­chen will, muss die Hin­der­nis­se rea­lis­tisch betrach­ten. Was steht mir im Weg? Ein „Hai­fisch“, der mir abends ein Wein­glas hin­stellt? Klei­ne „Kro­ko­di­le“, die mich vom Yoga abhalten?

Für Teams wird es noch kom­ple­xer. Sie müs­sen nicht nur mit bekann­ten Pro­ble­men rech­nen, son­dern auch mit den „unbe­kann­ten Unbe­kann­ten“ – Her­aus­for­de­run­gen, die völ­lig über­ra­schend auf­tau­chen. Aber auch das gehört zur Vor­be­rei­tung: Ein­mal gedank­lich mit einem Kro­ko­dil im Nil schwim­men, und die ech­te Her­aus­for­de­rung wirkt weni­ger einschüchternd.

Wie schaf­fen wir moti­vie­ren­de Bedingungen?

Doch rea­lis­ti­sche Pla­nung bedeu­tet nicht, sich von Nega­ti­vi­tät läh­men zu las­sen. Es geht dar­um, sich ein mög­lichst genau­es Bild zu machen – ohne Hor­ror­sze­na­ri­en. Dabei spielt auch unse­re Wahr­neh­mung eine Rol­le: Wir nei­gen dazu, Miss­erfol­ge stär­ker zu erin­nern als Erfolge.

Des­halb begin­ne ich jeden Ziel-Work­­shop mit einem Rück­blick: Was ist gelun­gen? Die Ergeb­nis­se über­ra­schen oft – es zeigt sich, dass viel mehr erreicht wur­de, als die Betei­lig­ten dachten.

Rück­blick und Vor­schau gehö­ren zusammen.

Ver­än­de­run­gen durch klei­ne Schrit­te und klu­ge Strategien

Wer sich Zie­le setzt, braucht die Fähig­keit, Ver­hal­ten und Emo­tio­nen zu regu­lie­ren. Das bedeu­tet auch, alte Mus­ter zu durch­bre­chen: Was tue ich? Was las­se ich blei­ben? Was muss ich ver­än­dern, um voranzukommen?

Ein Bei­spiel: Vie­le Men­schen sabo­tie­ren sich mit Glau­bens­sät­zen wie „Ich bin ein­fach nicht gut genug“ oder „Das schaf­fe ich sowie­so nie“. Die­se Denk­mus­ter müs­sen erkannt und hin­ter­fragt werden.

Auch unan­ge­neh­me Emo­tio­nen dür­fen dabei nicht igno­riert wer­den. Wer bei­spiels­wei­se Angst vor einer neu­en Her­aus­for­de­rung hat, soll­te sich mit die­ser Angst aus­ein­an­der­set­zen – statt sie zu ver­drän­gen. Das lehrt uns die kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie: Durch die bewuss­te Kon­fron­ta­ti­on mit nega­ti­ven Gefüh­len kön­nen wir Ver­än­de­run­gen erreichen.

WOOP: Ein Frame­work für prag­ma­ti­sche Ziele

Eine bewähr­te Metho­de für Ziel­er­rei­chung ist WOOP von Gabrie­le Oet­tin­gen. Anders als SMART setzt WOOP auf eine ganz­heit­li­che Per­spek­ti­ve, die auch Hin­der­nis­se aktiv einbezieht.

  1. W = Wish (Wunsch): Was will ich erreichen?
  2. O = Out­co­me (Ergeb­nis): Wie sieht das Ziel kon­kret aus?
  3. O = Obs­ta­cle (Hin­der­nis): Was könn­te mich dar­an hindern?
  4. P = Plan (Plan): Wie über­win­de ich die Hindernisse?

WOOP ver­bin­det die­se Ele­men­te mit einer „Wenn-dann-For­­mel“. Zum Beispiel:
„Immer wenn es 18 Uhr ist, lege ich mein Han­dy in eine Box.“

Die­se Metho­de för­dert klei­ne, rea­lis­ti­sche Schrit­te – die sich lang­fris­tig summieren.

Zie­le mit Bedacht setzen

Ver­än­de­run­gen sind nie ein­fach, und Wider­stän­de gehö­ren dazu. Doch mit rea­lis­ti­schen Erwar­tun­gen, kla­ren Ana­ly­sen und prag­ma­ti­schen Metho­den wie WOOP wird Ziel­er­rei­chung nicht nur mach­bar, son­dern auch nachhaltiger.

War­um nicht gleich los­le­gen? For­mu­lie­re ein Ziel, reflek­tie­re Hin­der­nis­se – und schi­cke es als Bot­schaft an dein zukünf­ti­ges Ich. So wird Ver­än­de­rung ein ste­ti­ger Pro­zess statt ein kur­zes Auf­fla­ckern zu Jahresbeginn.

Die Kunst, Zie­le wirk­lich zu errei­chen (Pod­cast) von Sven­ja Hofert

No. 34/66

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