Teamentwicklung: Workshops, Simulationen und Teamreviews wirksamer als klassisches Training

Wußten Sie, dass 70% aller Zwischenfälle im Operationssaal auf mangelndes Teamwork zurückzuführen sind? Doch wie entsteht gute Zusammenarbeit? Und welche Interventionen helfen der Teamperformance auf die Sprünge. Wir haben uns eine aktuelle Studie genauer angesehen, die über die Wirksamkeit von Teamentwicklungsmaßnahmen Auskunft gibt. „The effectiveness of Teamwork Trainings on Teamwork behaviour and Team Performance“ von Desmond Mc Ewan, Geralyn R. Ruissen, Mark A. Eys, Bruno D. Zumbo und Mark R. Bauchamp ist auch eine Teamarbeit – die Wissenschaftler haben 17.000 Artikel gesichtet und ermittelten am Ende 51 zentrale Beiträge mit insgesamt 71 Interventionen, die sie in vier Kategorien teilten:

  1. didaktisches Training/Seminar
  2. Workshops (inklusive Fallbearbeitung, unterscheidet sich vom didaktischen Training durch Einbindung aller Teilnehmer)
  3. Simulation
  4. Reflexion/Reviews

Zunächst war die Frage, was Teamwork überhaupt ist. Hier unterscheiden die Autoren „Taskwork“ und „Teamwork“. Teamwork liegt immer dann vor, wenn alle zusammen an einer Aufgabe arbeiteten – im Cockpit, im Operationssaal, bei der Softwareentwicklung, Forschungsprojekten. Die nächste Frage war, was Teamentwicklung bewirken soll und worauf Interventionsmaßnahmen überhaupt zielen. Hier gab es zwei wesentliche Ansätze: a.) Das Team zusammenzuhalten und b.) eine Leistungssteigerung zu erzielen. Drei zeitliche Positionen für die Intervention wurden ermittelt: Bevor die Arbeit beginnt, währenddessen und danach. Weiterhin unterschieden die Forscher vier Dimensionen der Maßnahmen: Vorbereitung, Durchführung, Reflexion und zwischenmenschliche Interaktion.

Erst einmal: Alle Interventionen aus allen vier Kategorien sind wirksam. Die häufigste Intervention ist dabei das didaktische Training in einem „classroom-style“, d.h. der Trainer informiert über die Bedeutung sozialer Handlungen, Konfliktlösungen usw.  Zusammenhalt und Leistungssteigerung lassen sich durch jede Form der Intervention steigern. Dabei fand man mittlere bis starke Effekte vor allem dann, wenn die Maßnahmen von Externen durchgeführt wurden (third party) und nicht aus dem Team selbst kamen. Der geringste Effekt fand sich beim didaktischen Seminar im Zusammenhang mit Teamwork. „This suggests that simply providing educational lectures wherein team members passively learn about teamwork is not an effective way of improving teamwork.“ Sehr viel wirksamer waren Workships und Reviews. Allerdings wirkten didaktische Trainings durchaus auf die Teamleistung. Das wiederum spricht dafür, dass auch kognitive Einsichten eine Leistungsverbesserung hervorrufen können.

Zu den Workshops zählten die Autoren dabeu auch Maßnahmen, in denen die Teilnehmer zusammen Fallstudien bearbeiteten, diskutierten, sich teamwork-bezogene Ziele setzten, Aktionspläne entwickelten sowie andere Aktivititäten, die helfen, kritisches Denken zu entwickeln und aktives Lernen. Wichtig dabei war, dass es sich nicht um Self-Report Measures handelte, sondern um third-party measures, d.h. dass andere das Verhalten beobachteten.

Hier drei zentrale Ergebnisse der Studie:

  • Drei Interventionen wurden als potenzielle Moderatoren für gute Zusammenarbeit und Leistungssteigerung ermittelt: Signifikante Effekte auf Zusammenarbeit (Teamwork) fanden die Forscher für Workshop Training (d = 0.50) und Simulations-basiertes Teamwork Training (d = 0.78), sowie team reviews (d = 0.64) aber nicht für didaktisches Training (d = 0.19). Alle Trainings waren jedoch ffektiv um die Teamleistung (Teamperformance) zu verbessern (ds = 0.41–0.69).
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Zusammenarbeit waren noch wirkungsvoller bei neuen Teams, Maßnahmen zur Leistungssteigerung bei bestehenden Teams.
  • Leistungssteigerung wurde vor allem erzielt, wenn andere Verhalten beobachteten (d = 0.80) und weniger bei Selbsteinschätzung (d = 0.38). Der Effekt der Fremdeinschätzung war signifikant größer (Q = 6.02, p = 0.014).

Die Studie ist am 13.1.2017 erschienen und hier abrufbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*