Zusammen dumm: Warum Gruppen irren und was Sie dagegen tun können

Gruppen sind manchmal ziemlich blöd. Viele Buch- und Zeitschriftenbeiträge der letzten Zeit zielen auf ein Phänomen, das lange Zeit bei der Entwicklung und Beratung von Teams kaum eine Rolle spielte: das Gruppendenken. „Schwarmdumm“ heißt konsequenterweise auch das neue Buch von Günter Dueck (Rezension folgt).

Gruppendenken wurde schon in den 1970er Jahren von Irving Janes erforscht, der zahlreiche Beispiele für falsche Gruppenentscheidungen sammelte. Berühmt geworden ist die Invasion in der Schweinebucht. Daniel Kahnemann und Amor Tversky wiederum trugen die kognitiven „Biasse“ und Heuristiken in die Welt, denen Einzelpersonen und Gruppen unterliegen.

Typische Gruppen-Dummheiten sind:

  • Alle folgen einem, nur weil er/sie einen bestimmten formellen oder informellen Status hat, besonders laut auftritt, besonders selbstbewusst wirkt oder ausgenommen kompetent auftritt.
  • Kaskadeneffekte legen die Gruppe lahm: Einer sagt zuerst was, die anderen legen die bisherigen Bedenken ad acta, aus Faulheit, aus sozialer Angst oder weil man denkt „der wird schon recht haben.“
  • Es wird nur Wissen geteilt, das alle haben, aber nicht das, was nur ein Teil besitzt – und das bestimmte Informationen in ein neues Licht stellen könnte. Ungeteiltes Wissen sichtbar machen, das ist die Devise. Dabei helfen zum Beispiel agile Prinzipien, darüber hier mehr.
  • Die Gruppendiskussion verstärkt eine zuvor schon vorhandene Tendenz, weil jeder noch etwas drauflegt. Auch der umgekehrte Weg ist möglich – die Gruppenentscheidung ist vorsichtiger als die Summe der Einzelentscheidungen.

Der Harvard Business Manager zitiert in seiner aktuellen Ausgabe eine Studie der Universität Princeton von Matthew Salganik, Peter Dodds und Duncan Watts, die sie hier im Orginaltext lesen können. Diese forderten Versuchspersonen auf, mindestens einen von 72 Songs herunterzuladen. Die Gruppe wurde geteilt: Die eine Hälfte wusste nicht, was die anderen runterluden; die andere sah die Wahl ihres Vorgängers. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen die zuerst ausgewählt wurden, schnell nach oben schnellten… nicht weil sie gut waren, sondern weil einer zuerst auf den Titel gesetzt hatte. Ganz schlechte Titel konnten sich so nicht durchsetzen, aber mittlere hatten beste Chancen.

Was tun gegen diese Gruppeneffekte? Wir raten Ihnen:

  • Stoppen Sie Vielredner (mehr dazu in unserem Buch „Ich hasse Teamarbeit“). Sie könnten zum Beispiel auslosen, wer als erstes das Wort ergreift.
  • Bestimmen Sie Rollen wie den advocatus diaboli, dessen Aufgabe es ist, auch Gegenpositionen zu bestimmen.
  • Schaffen Sie ein Klima, in dem es nicht darum geht einen Konsens oder Kompromiss zu finden, sondern den Austausch von Wissen zu fördern. Dabei hilft schon mal eine gute Anmoderation – und die klare Aufforderung auch Gegenpositionen einzunehmen.
  • Binden Sie jeden in den Austausch ein, auch die, die normalerweise nicht zu Wort kämen.

Menschen, die wissen, wie ihr eigenes Gehirn funktioniert, welchen Denkabkürzungen und Fallstricken – Heuristiken und Biassen – sie also unterliegen, können sich selbst „objektiver“ betrachten und besser gegensteuern. Dieses Thema ist zum Beispiel Inhalt in unserem Basiskurs TeamworksPlus, zu dem Sie ab März hier mehr erfahren. Bis dahin abonnieren Sie doch schon mal unseren Newsletter (unten im grünen Bereich).

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