Wie geteilte Mental-Modelle über den Erfolg von Teamwork entscheiden

Shared Mental Models und Vertrauen sind die Basis guter Teamarbeit

Was macht Teamarbeit erfolgreich? Ohne Vertrauen läuft nichts. Genauso wichtig sind aber „shared mental models“ – geteilte Vorstellungen über die Art und Weise, wie Aufgaben zu erledigen sind. Dieser Beitrag erklärt, was genau Mental-Modelle sind  und erläutert, was Teamentwickler, Führungskräfte und Coaches tun können, um ein „shared mental model“ zu entwickeln.

Wie interpretiere ich das, was ich sehe, höre oder lese? Wie bewerte ich es? Was für Handlungsschlüsse ziehe ich daraus? Es ist die gemeinsame Sicht auf eine Aufgabe, die ein Team für erfolgreiche Zusammenarbeit prädestiniert, das shared mental model. Stellen Sie sich nur diese Situation vor: Ein Team soll selbstorganisiert den Think Tank für die strategische Entwicklung einer Bank sein. Jeder hat andere Vorstellungen, wie an diese Aufgabe heranzugehen ist. Einige sehen mehr ihre Karrierechance als Kooperation, andere verfolgen die strategische Herangehensweise, die sie in der Uni gelernt haben. In Meetings missversteht man sich dauernd. Kein Teammitglied ist geeignet, die unterschiedliche Vorstellungen zusammenzuführen. Ob es nun als agiles Projekt oder klassisch aufsetzt ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Allerdings würden agile Elemente, vor allem gute Retros, die Entwicklung geteilter Mentalmodelle erleichtern, indes nicht befördern. Das Beispiel zeigt die Bedeutung guter Führung für die Entwicklung mentaler Modelle. Und die unbedingte Notwendigkeit einer professionellen Teamentwicklung, die diese gemeinsamen mentalen Modelle forciert. Es zeigt auch, dass es um Auswahl der richtigen Teammitglieder geht. Deren Mindset muss zueinander passen. Das lässt sich etwa an ähnlicher Ich-Entwicklung erkennen. Das Thema Strategie und Innovation ist unmöglich produktiv mit einem Team zu bewältigen, das in Schwarz-Weiß-Denken an Best Practice und gelerntem Wissen festhält. In einem Buchhaltungsteam zur Optimierung von Abläufen wäre eine spätere Ich-Entwicklung auch hilfreich, aber nur in der Führung essentiell.

Alle müssen ihre Aufgabe gleich interpretieren

Die mentalen Konstruktionen, mit denen Menschen sich die umgebende Welt erklären, sind vielschichtig. Wie interpretiert das Bewusstsein die jeweils erhaltenen Informationen? Mentale Modelle stehen aber nicht nur in Bezug zur inhaltlichen Arbeit, sondern auch zum how-to. Wie wirken sich unterschiedliche mentale Modelle auf die Lösung einer alltäglichen Aufgabe aus? Ist es für Peter, Maria und den Rest des Teams selbstverständlich, die Aufgabe eigenverantwortlich zu lösen und den Chef nicht um Rat zu fragen? Will Peter erst einmal ein umfassendes Konzept ausarbeiten, während Maria gleich loslegt? Das sind Aspekte, die sich durch gemeinsames Lernen und Heranführen an Teamarbeit entwickeln lassen. Dazu braucht man aber Zeit, das ist nicht in einer Schulung zu bewältigen. Es sind, so besagen Studien, gemeinsame Lernerfahrungen und gut entwickelte Konfliktlösungsfähigkeiten aller Beteiligten, die am meisten helfen, geteilte mentale Modelle zu entwickeln.

Da Individuen mit unterschiedlichen Denk- und Bewertungsschemata ausgestattet sind, interpretieren sie die gleichen Tatsachen und Informationen höchst verschieden.  Dabei kommt dem kulturellen Erbe ebenso eine zentrale Rolle für die Erklärung von menschlichen Wahlhandlungen zu. Diese kulturelle Prägung kann fruchtbar, aber auch problematisch sein, wenn die Bewertungen sehr weit auseinander gehen, etwa über die Art des Umgangs miteinander. Sind wir direkt und offen oder höflich und rücksichtsvoll? Dabei geht es nicht un Begriffe, sondern die gelebte Interpretation. Direkt und offen wird mit einer asiatischen Brille gewöhnlich anders gelebt und interpretiert werden als mit einer deutschen.

Darüber zu sprechen und die mentalen Modelle offenzulegen, bringt Teams voran. Dass das geschieht, ist ein Zeichen von Reife und Entwicklung. Der Blick auf gemeinsame Entwicklung kann so auch zum shared mental model werden.

Tabelle: Was Mental-Modelle ausmacht und wie sie sich zeigen

Wodurch entstehen Unterschiede in Mental-Modellen? Woran sind diese Unterschiede bemerkbar? Bedeutung für die Teamentwicklung
Bildung und Lernerfahrung Es ist nicht nur das Niveau des Bildungsabschlusses, sondern auch die Art und Weise, wie er erlangt wurde. Der eine hat gelernt auswendig zu lernen, der andere frei zu interpretieren. So entstehen unterschiedliche Denk-Prägungen. Wie stark so eine Prägung sein kann, weiß jeder, der einmal mit einem Procter&Gamble-Manager gearbeitet hat. Bestimmte Bildungserfahrungen prägen sehr. Die Folge: In einem Team wird sich ein dominanter Stil durchsetzen und die mentalen Modelle der anderen prägen.
Ich-Entwicklung/persönliche Reife Je weiter die Ich-Entwicklung fortschreitet, desto mehr Aspekte sieht und integriert eine Person. Sei entwickelt schließlich eine konstruktivistische Wahrnehmung, in der es viele Perspektiven, aber kein Richtig oder falsch mehr geben kann. Wenn mehr als zwei Stufen zwischen den Mitgliedern eines Teams bestehen, birgt des erhebliches Konfliktpotenzial, ganz besonders wenn die Führung eine geringere Reife hat als die oder ein Mitarbeiter. Dazu mehr in „Das agile Mindset“.
Kultur Allein schon das Thema Machtdistanz wird in verschiedenen Kontexten höchst unterschiedlich gelebt. Ist man kollegial und näheorientiert oder eher hierarchisch-patriarchalisch? Was bedeuten Verhaltensweisen wie Lächeln oder Blickkontakt? Je weiter die Ich-Entwicklung fortgeschritten, desto eher wird sich dieser Punkt einfch lösen lassen. Man muss z.B. wissen und darüber sprechen, dass Asiaten keinen festen Händedruck haben oder eher lächeln – sonst werden Situationen unterschiedlich interpretiert.
Sozialisierung Was tut man, was tut man nicht? Die Sozialisierung in einer Bank mag andere mentale Modelle ausgeprägt haben als die in einem Kindergarten. Auch die familiäre Sozialisierung spielt eine Rolle: Arbeiterkinder greifen auf andere Erfahrungen zurück als Akademikerkinder. Sie interpretieren z.B. ihren Status anders. Auch auf den Habitus wirkt sich das aus. Dieser Punkt ist in Teams am leichtesten zu überwinden, wenn Vertrauen vorhanden ist.

Foto: Dima@Fotolia.com

Eine Teamstudie zu Mentalmodelle in Scrumteams findet sich hier.

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