Von Milgram bis Robbers Cave: 5 klassische Experimente und was sie heute wert sind

Grau­sa­me Gefäng­nis­wär­ter, die mit Tril­ler­pfei­fen Insas­sen pies­a­ken, ja quä­len? Ent­fes­sel­te Jugend­li­che im Wir-gegen-die-ande­­ren-Modus? Hol­ly­wood hat manch sozi­al­psy­cho­lo­gi­sches Expe­ri­ment zum Film­stoff gemacht. Die Erkennt­nis­se dar­aus haben sich in unse­ren Köp­fen fest­ge­setzt und for­men unser Welt­bild. Doch was wäre, wenn die Schlüs­se kei­nes­wegs so ein­deu­tig, mög­li­cher­wei­se sogar falsch wären?

Sozi­al­psy­cho­lo­gi­sche Expe­ri­men­te sind Kunst — sie zu ent­wi­ckeln erfor­dert eini­ges an Fan­ta­sie. Viel­leicht kein Wun­der, dass das die Sozi­al­psy­cho­lo­gie eini­ge publi­kums­wirk­sa­me “Stars” her­vor­brach­te – ganz im Gegen­satz etwa zur tro­cke­ne­ren dif­fe­ren­zi­el­len Psy­cho­lo­gie oder ande­ren viel weni­ger schil­lern­den Psychologie-Teildisziplinen.

Experimente sind Kunst

Um wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards zu genü­gen, müs­sen sozi­al­psy­cho­lo­gi­sche Expe­ri­men­te objek­tiv sein, ihre Ergeb­nis­se unab­hän­gig vom Durch­füh­ren­den repro­du­zier­bar. Doch das Design von Expe­ri­men­ten allein ist schon sehr krea­tiv. Das mag eini­ge ver­führt haben: In man­chen Expe­ri­men­ten agier­te der jewei­li­ge Stu­di­en­lei­ter bei­na­he wie ein Regis­seur, der ein Dreh­buch umsetzt. Eitel­keit und Lust am wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs gehen nicht nur hier eine star­ke Ver­bin­dung ein. Und Hypo­the­sen will man im wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs zwar ver­wer­fen, doch ein rei­hen­haf­tes Hpyo­the­sen­strei­chen wider­spricht dann auch dem eige­nen Ethos

So sind die fan­ta­sie­volls­ten Expe­ri­men­te oft beson­ders medi­en­wirk­sam. Psy­cho­lo­gen wie Stan­ley Mil­gram und Phil­ipp Zim­bar­do mach­ten die­se weltberühmt.

Doch was steckt wirk­lich in die­sen Expe­ri­men­ten? Was kön­nen wir aus heu­ti­ger Sicht davon ler­nen? Im Fol­gen­den stel­le ich fünf bekann­te Expe­ri­men­te vor und ord­ne sie his­to­risch ein.  Ich beschrei­be den jewei­li­gen Ver­such und stel­le kri­ti­sche Stim­men ent­ge­gen. Dann erlau­be mir eine eige­ne Interpretation.

Auf die Idee zu die­ser Ein­ord­nung hat mich Rut­ger Breg­manns Best­sel­ler „Im Grun­de gut“ gebracht. Die­ses Buch ist gran­di­os geschrie­ben, aber hin­ter­ließ bei mir nach anfäng­li­cher Begeis­te­rung auch einen Bei­geschmack und Fra­ge­zei­chen. Ja, Breg­mann zeigt kon­se­quent die ande­re Sei­te – der Mensch ist gut. Aber tut Breg­mann nicht genau das­sel­be wie jene, die nur das Böse sehen?  Ver­dreht er die Fak­ten nicht eben­so wie die, die er aus­ein­an­der­nimmt, teils genüsslich?

Die Wahr­heit liegt wie so oft in der Mit­te und zugleich im Nie­mands­land. Die­ser Bei­trag soll ein wenig dazu bei­tra­gen, Sowohl-als-auch und Dif­fe­ren­zie­rung hin­zu­zu­fü­gen. Und die Fra­ge beant­wor­ten: Was nutzt uns das, was an Erkennt­nis­sen bei Expe­ri­men­ten her­aus­kam, heu­te noch?

1. Robbers Cave: Wir gegen die anderen

Wie ver­hal­ten sich Men­schen in Grup­pen? „Das Robber´s Cave Expe­ri­ment“ des ame­­ri­­ka­­nisch-tür­­ki­­schen Psy­cho­lo­gen Mus­ta­fer She­rif ist auch als „Feri­en­la­ger­ex­pe­ri­ment“ bekannt. She­rif führ­te drei die­ser Feri­en­la­ger­ex­pe­ri­men­te durch: 1949 in Con­nec­ti­cut, 1953 im Staat New York und 1954 unter dem Namen “Robber´s Cave Stu­dy” in Okla­ho­ma. Mit die­sem letz­ten Expe­ri­ment wur­de She­rif berühmt. Teil­neh­mer waren 22 Jun­gen im Alter von 9 bis 12 Jah­ren, alle weiß. Kei­ne Mädchen.

Die ers­te Pha­se war bei Robber´s Cave die Grup­pen­bil­dung, dabei stand das „Bon­d­ing“ im Vor­der­grund, das heißt es soll­ten Kon­tak­te und Bezie­hun­gen unter­ein­an­der ent­ste­hen. In der zwei­ten Pha­se teil­ten die For­scher die Grup­pen, und zwar so, dass sie die bereits befreun­de­ten Jun­gen von­ein­an­der trenn­ten. Es form­ten sich zwei Grup­pen, die Eagles und Rattlers.

In den fol­gen­den Tagen bil­de­ten sich in bei­den Grup­pen Ver­hal­tens­nor­men aus, die auf Wett­be­werb gegen die jeweils ande­re Grup­pe aus­ge­rich­tet waren. Außer­dem zeig­te sich, wer Anfüh­rer war und wer folg­te. Die Beob­ach­ter notier­ten: Jun­gen, die Grup­­pen-Nor­­men ver­letz­ten, bestaf­te die Gruppe.

Im Fol­gen­den Teil des Expe­ri­ments ging es dar­um, gegen­ein­an­der anzu­tre­ten, etwa im Baseball.

Bald teil­ten die Jungs ver­ba­le Atta­cken und nega­ti­ve Cha­rak­te­ri­sie­run­gen für die jeweils ande­re Grup­pe aus. She­rif hat­te in sei­nen Hypo­the­sen vor­aus­ge­sagt, dass ein solch grup­pen­über­grei­fen­der Wett­be­werb zu Feind­se­lig­kei­ten zwi­schen den Grup­pen, nega­ti­ven Ste­reo­ty­pen und einer ver­stärk­ten Soli­da­ri­tät inner­halb der Grup­pe füh­ren wür­de. So war es dann auch.

Schließ­lich wur­den die bei­den Grup­pen wie­der zusam­men­ge­bracht. Jetzt soll­ten sie um rare Res­sour­cen wie einen Was­ser­tank buh­len. Sie hat­ten damit ein gemein­sa­mes, über­ge­ord­ne­tes Ziel, wel­ches sie wie­der mit­ein­an­der ver­band. She­rif schloss dar­aus, dass Zie­le Grup­pen und Men­schen zusammenbringen.

Kri­tik am Expe­ri­ment äußer­te die aus­tra­li­sche Psy­cho­lo­gin und Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tik Gina Perr­ry, auf die sich auch Rut­ger Breg­mann (“Im Grun­de gut”) immer wie­der beruft. Sie schrieb in „The Lost Boys“, dass die Jun­gen von den Stu­di­en­lei­tern ange­sta­chelt wor­den sei­en. Die Stu­di­en­lei­ter hät­ten bewusst auf “wir gegen die ande­ren” getrimmt.

Historische Einordnung

Zu jener Zeit waren geschlech­­ter-getren­n­­te Feri­en­la­ger nor­mal. Ras­sen­tren­nung bestimm­te den All­tag. Die Grup­pe war schon aus die­sen Grün­den nicht divers besetzt. Der Begriff „Framing“ war noch nicht gebo­ren und die Stu­di­en­lei­ter han­del­ten aus einem Bewusst­sein, in dem der Begriff “con­­st­ruct-awa­­re” sich noch nicht gebil­det hat­te, als sie Anwei­sun­gen gaben. Eine Fra­ge­stel­lung wie etwa die, ob die Grup­pen­grö­ße ein Ein­fluss­fak­tor sei, flos­sen nicht ein. Bei aller Kri­tik an der Stu­die wird aus­ge­blen­det, wor­um es She­rif in Pha­se 3 eigent­lich ging, näm­lich das über­ge­ord­ne­te Ziel, wel­ches die Grup­pe verbindet.

Dass Zie­le Ori­en­tie­rung geben, bewie­sen Lat­ham und Locke 1984 in ihrer Ziel­set­zungs­theo­rie, die die SMART-Wel­­le in Gang setz­te. Heu­te deu­tet immer mehr dar­auf, dass gemein­sa­mer Sinn ver­bin­det. Breg­mann bringt das Bei­spiel von fünf Jun­gen auf einer ein­sa­men Pazi­fik­in­sel, die ein Jahr dort leb­ten. Ohne sich zu bekrie­gen, son­dern in gegen­sei­ti­ger Unter­stüt­zung. Er rech­net dabei mit dem Roman “Herr der Flie­gen” ab, der ein rei­nes Fanmta­sie­pro­dukt sei, aber unser Bild von Wett­be­werb und Zwie­tracht in Grup­pen geformt hätte.

Wert für die heutige Zeit

Was She­rif eigent­lich tat, war ein „Framing“ für ver­schie­de­ne Situa­tio­nen – und die Stu­die zeigt durch­aus, wie die­ses gelin­gen kann und wie es wirkt. Der Name „Ratt­lers“ und „Eagles“ kam von der Stu­di­en­lei­tung — allein dadurch ent­stand schon ein Hand­lungs­rah­men. Spra­che formt Verhalten.

Auch wenn Per­rys Ver­dacht stimmt, dass die Ver­suchs­lei­ter bewusst Zwie­tracht säten, so zeigt auch das nur, was sich in Grup­pen immer offen­bart – sie bil­den Nor­men aus, die ein Zusam­nen­le­ben ermög­li­chen. Auf wel­che Art und Wei­se das geschieht, ist von vie­len Fak­to­ren abhän­gig. Wett­be­werb ist jeden­falls — so unse­re Beob­ach­tung — kei­nes­falls eine logi­sche Kon­se­quenz. Struk­tu­ren bil­den sich so oder so aus. Ein posi­ti­ver Rah­men kann aber die Rich­tung beein­flus­sen, in der das geschieht.

 2. Das Milgram-Experiment: Sind wir alle Obrigkeitshörig?

 1961 woll­te der Psy­cho­lo­ge Stan­ley Mil­gram tes­ten, wie sich durch­schnitt­li­che Per­so­nen ver­hal­ten, wenn sie auto­ri­tä­re Anwei­sun­gen bekom­men. Fol­gen Sie auch dann noch den Anwei­sun­gen, wenn die­se das Gewis­sen berühren?

Die Teil­neh­me­rin­nen wur­den aus der Stadt New Haven rekru­tiert. Ihnen wur­den zufäl­lig Rol­len zuge­wie­sen. Ein „Leh­rer“ war die eigent­li­che Ver­suchs­per­son. Er soll­te einem „Schü­ler“, der in Wahr­heit Schau­spie­ler war, bei Feh­lern einen elek­tri­schen Schlag ver­set­zen. Die Inten­si­tät muss­te nach jedem wei­te­ren Feh­ler erhöht wer­den. Der Schü­ler war in einem Neben­raum an einen Stuhl gebun­den, sein „Stöh­nen“ (bei leich­ten Schlä­gen) und „Brül­len“ (bei star­kem Schlag) war für den Leh­rer hörbar.

Die Schlä­ge began­nen bei 15 Volt und lie­ßen sich bis 450 Volt stei­gern, natür­lich nicht in echt. Am Schock­ge­ne­ra­tor befan­den sich Auf­schrif­ten von „leich­tem Schock“ bis zu „bedroh­li­chem Schock“.  Der Ver­suchs­lei­ter gab stan­dar­di­sier­te Bemer­kun­gen wie „Bit­te, fah­ren Sie fort!“

Es gehorch­ten in der ers­ten Vari­an­te des Expe­ri­ments 26 von 40 Ver­suchs­per­so­nen, also 65 Pro­zent bis zum letz­ten Schock.  Die For­scher vari­ier­ten das Expe­ri­ment, sorg­ten etwa für mehr mensch­li­che Wahr­neh­mung bei den “Leh­rern” oder auch für Abstand. War der Ver­suchs­lei­ter nur am Tele­fon, ver­wei­ger­ten sich mehr Per­so­nen, die Gehor­sam­keit nahm ab.

Historische Einordnung

Das Expe­ri­ment passt in die dama­li­ge Nach-Hit­­ler-Zeit. Züch­ti­gen gehör­te zur Erzie­hung. Noch in den 1950er Jah­ren war kör­per­li­che Stra­fe eine ganz nor­ma­le Erzie­hungs­me­tho­de für Eltern und Leh­rer. Aber das Expe­ri­ment fiel eben auch in die Nach­kriegs­zeit: Adolf Eich­mann, der sechs Mil­lio­nen Juden mit auf dem Gewis­sen hat­te, wur­de 1962 hin­ge­rich­tet. Fünf Psy­cho­lo­gen hat­ten ihn unter­sucht und als „nor­ma­ler als nor­mal“ ein­ge­stuft. Die Phi­lo­so­phin Han­nah Arendt beschrieb die­ses Phä­no­men mit dem Aus­spruch „die Bana­li­tät des Bösen“. Die­ser “Wolf im Schafs­pelz” in Men­schen fas­zi­nier­te, scho­ckier­te und pola­ri­sier­te. Das Expe­ri­ment bestä­tig­te all die, die mein­ten, eine Uni­form rei­che, um aus Durch­schnitts­bür­gern Mons­ter zu machen. In ihrem Buch  “Behind the Shock Machi­ne” von 2012 ent­hüll­te die Aus­tra­lie­rin Gina Per­ry aller­dings, das eini­ge der Teil­neh­mer sich im Expe­ri­ment selbst in einem Film wähnten.

  • Im Ärz­te­blatt ist das Expe­ri­ment sehr gut beschreiben.
  • Im Atlan­tic fin­det sich ein aus­ge­wo­ge­ner Arti­kel, dier das Expe­ri­ment in den Zeit­kon­text einordnet.

Wert für die heutige Zeit

Dia­gnos­ti­sche Instru­men­te der dama­li­gen Zeit berück­sich­ti­gen die hori­zon­ta­le Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung von Erwach­se­nen kaum oder gar nicht. In den 1960er Jah­ren star­te­te Jane Loevin­g­er auch vor die­sem Hin­ter­grund ihre Unter­su­chun­gen der Ich-Ent­­­wick­­lung (hier ein Bei­trag in mei­nem per­sön­li­chen Blog). Sie fand in ihren Daten einen Mas­ter Trait, der das Auf­tre­ten ande­rer Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten mode­rier­te. Heu­te wis­sen wir, dass die­sel­ben Eigen­schaf­ten sich höchst unter­schied­lich zei­gen kön­nen. Situa­ti­on und Kon­text spie­len jedoch die zen­tra­le Rol­le. Zudem haben sich gesell­schaft­li­che Nor­men geändert.

Es blei­ben zwei Erkenntnisse:

  • Men­schen kön­nen im Glau­ben han­deln, dass sie etwas Gutes tun, aber dabei aus der mor­a­­lisch-ethi­­schen Sicht der Fol­ge­ge­nera­ti­on und aus ande­ren Bril­len „böse“ handeln.
  • Die Nähe zum Ande­ren und die Bezie­hung spie­len eine ganz ent­schei­den­de Rol­le. Je näher ich jeman­den kom­me, des­to weni­ger wer­de ich ihn/sie als Objekt sehen können.

3. Das Stanford Prison Experiment: Uniform schafft Ungeheuer

Das Stan­­ford-Pri­­son-Expe­­ri­­ment soll­te vor Augen füh­ren, wie sich Men­schen als Gefäng­nis­wär­te­rin­nen ver­hal­ten. Den Ver­such füjr­te Phil­ipp Zim­bar­do 1971 an der Stan­ford Uni­ver­si­tät durch. Die Wär­te­rin­nen hat­te das For­scher­team um Zim­boar­do unter Stu­den­ten über eine Annon­ce rekru­tiert. Sie hat­ten Per­so­nen aus­ge­wählt, die in einem Per­sön­lich­keits­test beson­ders durch­schnitt­lich abschnit­ten. Die Auf­ga­be der Wär­te­rin­nen war, uni­for­miert und mit einer  Tril­ler­pfei­fe um den Hals, im Gefäng­nis für Recht und Ord­nung zu sor­gen. Eine Aus­bil­dung hat­ten sie dazu nicht erhalten.

Die Wär­ter ent­wi­ckel­ten im Lau­fe des Expe­ri­men­tes eine zuneh­men­de Bru­ta­li­tät gegen­über den Insas­sen. Das ging soweit, dass die Wis­sen­schaft­ler das Expe­ri­ment vor­zei­tig abbre­chen muss­ten, da sich eine aus­ufern­de Bru­ta­li­tät bei den Wär­tern ent­fach­te. Etwa ein Drit­tel zeig­te ein regel­recht sadis­ti­sches Ver­hal­ten, zwei Drit­tel war streng, ohne bru­tal zu werden.

Kri­ti­ker bezwei­feln die kor­rek­te Durch­füh­rung sowie die Ergeb­nis­se des Expe­ri­ments. Die Stu­den­ten, die an dem Expe­ri­ment teil­ge­nom­men hat­ten, sag­ten spä­ter aus, sie sei­en vom Stu­di­en­lei­ter ange­sta­chelt wor­den. Außer­dem wähn­ten sich eini­ge nach spä­te­ren Aus­sa­gen in einem Film.

Historische Eindordnung

Adolf Eich­mann, der sechs Mil­lio­nenen Juden mit auf dem Gewis­sen hat­te, wur­de 1962 hin­ge­rich­tet. Er war von fünf Psy­cho­lo­gen unter­sucht und als „nor­ma­ler als nor­mal“ ein­ge­stuft wor­den. Die Phi­lo­so­phin Han­nah Arendt brach­te die­ses Phä­no­men mit dem Aus­spruch „die Bana­li­tät des Bösen“ auf den Punkt. Gina Per­ry hat das Expe­ri­ment in ihrem Buch “Behind the Shock Machi­ne” ana­ly­siert und ent­hüllt, das auch hier ähn­lich wie bei dem Mil­­gram-Expe­­ri­­ment, sich eini­ge der Teil­neh­mer selbst in einem Film wähn­ten. Den­noch ist auch in unse­rer Zeit ein “Abu Graib” mög­lich gewe­sen — womit wir wie­der beim Kon­text sind, bei der Füh­rung, bei wirk­li­chen Normen.

Wert für die heutige Zeit

Der Kon­text gestal­tet den Inhalt.  Das zeigt sich hier beson­ders deut­lich. Wenn Men­schen kei­ne Aus­bil­dung erhal­ten, dann agie­ren sie anders, z.B. so wie sie ver­mu­ten, dass es rich­tig ist oder erwar­tet wird. Sie fügen sich eher in die Ste­reo­ty­pen eines Berufs­bil­des, die Dis­kus­si­on um die ame­ri­ka­ni­sche Poli­zei­aus­bil­dung fügt sich hier gut hin­ein. Eine Aus­bil­dung muss auch Nor­men und Grund­an­nah­men ver­mit­teln. Grup­pen­druck spielt frag­los eine gro­ße Rol­le, wenn sich Gewalt ent­wi­ckelt. Wohl ist es frag­los so, dass eine Uni­form ent­per­so­na­li­siert, “das bin ich nicht”, gleich­wohl gel­ten an sie geknüpf­te Nor­men und Erwar­tun­gen, die der Uni­form­trä­ger erfül­len wird, sofern er sich mit sei­ner Grup­pe identifiziert.

4. Der Rosenthal Effekt (auch Pygmalion-Effekt): Intelligenz ist eine Frage der Einstellung

För­dert allein die Ein­stel­lung zu einem Schü­ler des­sen Ent­wick­lung? 1965 unter­such­ten die US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen Psy­cho­lo­gen Robert Rosen­thal und Leno­re F. Jacob­son an einer Grund­schu­le, wie sich die Ein­schät­zung der Leh­rer auf die Intel­li­genz­ent­wick­lung der Schü­ler auswirkt.

Die Wis­sen­schaft­ler erzähl­ten den Leh­rern, dass auf der Basis eines wis­sen­schaft­li­chen Tests die Leis­tungs­po­ten­zia­le der Kin­der ein­ge­schätzt wor­den sei­en. Dadurch hät­ten sie jene  20 Pro­zent Schü­le­rin­nen einer Schul­klas­se iden­ti­fi­ziert, bei denen mit einem Ent­wick­lungs­schub zu rech­nen sei. In Wirk­lich­keit hat­te das For­scher­team die 20 Pro­zent zufäl­lig per Los bestimmt. Der Test mass in Wahr­heit den IQ.

Acht Mona­te spä­ter wie­der­hol­ten die For­scher den Test. Die IQ-Stei­­ge­­rung war bei den Kin­dern, denen man Wachs­tums­po­ten­zia­le zuge­spro­chen hat­te, deut­lich grö­ßer aus­ge­fal­len als bei den rest­lich en Schü­lern, also der Kon­troll­grup­pe. Die so genann­ten “Auf­blü­her” hat­ten die Leh­rer offen­sicht­lich allein dadurch moti­viert, dass sie an ihre Ent­wick­lung glaubten.

Die­ses Expe­ri­ment ist ein Fol­ge­ex­pe­ri­ment eines frü­he­ren, bei dem zwölf Stu­den­ten jeweils fünf Labor­rat­ten betreu­ten. Der einen Hälf­te der Stu­den­ten teil­ten die Stu­di­en­au­toren mit, dass ihre Rat­ten dar­auf gezüch­tet sei­en, einen Irr­gar­ten beson­ders schnell zu durch­lau­fen. Die ande­re Hälf­te der Stu­den­ten erfuhr, dass ihre Rat­ten für beson­de­re Dumm­heit gezüch­tet wor­den waren. Obwohl die Rat­ten alle vom glei­chen gene­ti­schen Stamm kamen, zeig­ten die Rat­ten der pseu­do­in­tel­li­gen­ten Grup­pe deut­lich bes­se­re Leis­tun­gen als die Rat­ten der Kon­troll­grup­pe. Die Stu­den­ten hat­ten sich ein­fach bes­ser um sie gekümmert.

Der Psy­cho­lo­ge Edward Lee Thorn­di­ke kri­ti­sier­te die Stu­die mit den Kin­dern, weil die IQ-Tests nicht für jün­ge­re Kin­der geeig­net sei­en und die Leis­tun­gen der Kin­der beim logi­schen Den­ken unter­durch­schnitt­lich gewe­sen sein. Die Ent­wick­lungs­prün­ge führ­te er auf die Regres­si­on zur Mit­te zurück.

Historische Einordnung

Das Expe­ri­ment fällt in eine Zeit, in der sehr viel über Erbe und Umwelt gestrit­ten wur­de. Heu­te sind fast alle Wis­sen­schaft­ler von einer Gen-Umwelt-Inter­ak­­ti­on über­zeugt, die Zeit des Ent­­­we­­der-Oders ist vor­bei. Den­noch gibt es immer noch Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Gen­de­ter­mi­nis­ten und Ver­tre­tern einer stär­ke­ren Kon­text­über­zeu­gung, die sie viel­fach aus der noch recht jun­gen Epi­ge­ne­tik ableiten.

Wert für die heutige Zeit

„Intel­li­genz ist das, was ein Intel­li­genz­test misst“, so die heu­te übli­che Defi­ni­ti­on. Und sie sagt alles: Es ist ein Kon­strukt, mit dem wis­sen­schaft­li­che Psy­cho­lo­gen Kor­re­la­tio­nen mes­sen, etwa zum Füh­rungs­er­folg in der bis­he­ri­gen Arbeits­welt. Mehr nicht. Was Intel­li­genz in einer digi­ta­li­sier­ten Arbeits­welt bedeu­tet, ist dabei unklar. Es scheint sich aber immer deut­li­cher zu zei­gen, dass bis­her ver­nach­läs­sig­te mensch­li­che Fähig­kei­ten wie Empa­thie (wie­der) an Bedeu­tung zuneh­men wer­den — in dem Maße, in dem künst­li­che Intel­li­genz ana­ly­ti­sche Auf­ga­ben übernimmt.

Die Stan­ford Pro­fes­so­rin Carol Dweck, bekannt durch ihr Kon­strukt des Fixed und Growth Mind­set wies nach, dass allein die inne­re Ein­stel­lung einen (ame­ri­ka­ni­schen) Noten­punkt aus­ma­chen kann.

5. Der Ringelmann-Effekt: Je mehr, desto fauler

Brin­gen Men­schen in  Grup­pen weni­ger Leis­tung als allein? Ende des 19. Jahr­hun­derts expe­ri­men­tier­te der fran­zö­si­sche Inge­nieur Maxi­mi­li­an Rin­gel­mann mit einem Seil und fand her­aus, dass die Leis­tung umso mehr abnahm, je mehr Teil­neh­me­rin­nen am Seil zogen.

1974 griff der Psy­cho­lo­ge Ing­ham den so benann­ten Rin­­gel­­mann-Effekt auf. Ihre For­schungs­er­geb­nis­se gin­gen als Lazy Co-Working oder auch sozia­les Fau­len­zen in die Psy­cho­­lo­­gie-Geschich­­te ein.

Beim Rin­­gel­­mann-Effekt war stets unklar, ob der Leis­tungs­ver­lust moti­­va­­ti­ons- oder koor­di­na­ti­ons­be­dingt entsteht.

Daher wie­der­hol­ten All­an Ing­ham & Kol­le­gen das Rin­­gel­­mann-Expe­­ri­­ment und vari­ier­ten die Grup­pen­grö­ße. Sie ver­ban­den den Ver­suchs­per­so­nen die Augen und lie­ßen sie in Pseu­do­grup­pen am Seil zie­hen. Die “Blin­den” dach­ten dann, sie zögen mit, doch in Wirk­lich­keit waren sie allei­ne, wodurch die Leis­tung beson­ders abnahm. Koor­di­na­ti­ons­ver­lust ließ sich damit aus­schlie­ßen. Die redu­zier­te Kraft der ein­zel­nen Per­so­nen fiel mit stei­gen­der Grup­pen­grö­ße immer deut­li­cher aus.

Historische Einordnung

In den 1970er Jah­ren gewann Grup­pen­ar­beit an Bedeu­tung, etwa durch teil­au­to­no­me Arbeits­grup­pen, wie sie Toyo­ta instal­lier­te. Seit­dem nahm die For­schung zu Grup­pen und Teams deut­lich an Fahrt auf. Bis dahin hat­te man sich stark auf grö­ße­re Kol­lek­ti­ve oder Indi­vi­du­en kon­zen­triert. Der Begriff Team­ar­beit ent­stand in die­ser Zeit. Das Team ist gemein­sam auf ein Ziel fokus­siert, wäh­rend die Grup­pe z.B. “nur” sozia­le Nor­men teilt.

Wert für die heutige Zeit

Es ist immer wie­der zu beob­ach­ten, dass sich Men­schen in Grup­pen zurück­neh­men, wenn sie den Ein­druck haben, ande­re wür­den es schon rich­ten. Ver­mut­lich ist der Effekt vor allem dann aus­ge­prägt, wenn es sich um ein­fa­che Arbei­ten han­delt, die kein spe­zi­el­les Fach­wis­sen brau­chen. Oder um Situa­tio­nen, in denen man meint, ande­re wür­den bereits hel­fen. Die Situa­ti­on prägt das Enga­ge­ment in einer Grup­pe stark. Dass klei­ne Teams bes­ser Zusam­men­ar­beit, ist heu­te aller­dings unbe­strit­ten, eine opti­ma­le Team­grö­ße scheint bei 4,7 zu lie­gen, wie Stu­di­en ergaben.

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