Wie Sie Füh­rung mit Rol­len ver­tei­len, und was Rol­len von Posi­tio­nen und Funk­tio­nen unterscheidet

Was sind Rol­len? Der im agi­len Kon­text ver­brei­te­te und belieb­te Begriff ist in der prak­ti­schen Anwen­dung und der Abgren­zung zu Funk­ti­on und Rol­le unklar. Viel­fach wer­den Stel­len­pro­fi­le  ein­fach zum Rol­len­pro­fil umfunk­tio­niert. Doch da macht man den Bock zum Gärt­ner. Wie Sie sinn­voll mit Rol­len arbeiten.

Füh­ren ist das Bestim­men der Rich­tung von Bewe­gung und erfolg­rei­che Inter­ve­nie­ren in kri­ti­schen Situa­tio­nen – so lau­tet unse­re Team­­­works-Defi­­ni­­ti­on. Wir haben dazu ver­schie­de­ne Ansät­ze gesich­tet und uns für ein Best-of ent­schie­den, das dem Facet­ten­reich­tum, den wir in moder­ner Füh­rung sehen, am ehes­ten spie­gelt – und somit auch im Zuge eines ver­än­der­ten Füh­rungs­ver­ständ­nis­ses sowie im Kon­text zeit­ge­mä­ßer Meta­phern wie “Ser­vant Lea­ders­hip” trag­fä­hig ist.

Im Kon­text agi­ler Füh­rung sind drei Ele­men­te wichtig:

  1. Frame­works, also Rah­men, die Inter­ak­ti­ons­struk­tu­ren fest­le­gen — und dabei das “was” und nicht das “wie” definieren.
  2. Mee­tings als wich­tigs­tes Inter­ak­ti­ons­ele­ment von Grup­pen. Mee­tings sind in den Frame­works typi­scher­wei­se ent­hal­ten. Dar­über hier mehr.
  3. Rol­len, die Füh­rung ver­tei­len. Das ist Schwer­punkt in die­sem Beitrag.

Rol­len ver­ste­hen sich vor allem in der Abgren­zung zu Funk­ti­on und Position:

  • Die Posi­ti­on ist der for­ma­le Platz im Unter­neh­men und gebun­den an Rech­te und Pflich­ten. Bei­spiel: Geschäfts­füh­rer. Wer in eine Posi­ti­on geho­ben wird (Push) ist dort so lan­ge, bis er eine neue Posi­ti­on erhält.
  • Die Funk­ti­on beschreibt die inhalt­li­chen Zuord­nun­gen einer Stel­le, etwa „Lei­ter Mar­ke­ting“. Wer in eine Funk­ti­on geru­fen wird, ist dort so lan­ge, bis er eine neue Funk­ti­on ansteht oder in die­se geho­ben wird (Push).
  • Die Rol­le beschreibt die for­mel­len und infor­mel­len Ver­hal­tungs­er­war­tun­gen, die man an jeman­den hat. For­ma­li­sier­te Rol­len kön­nen auch selbst gewählt sein (Pull) und gemein­sam aus­ge­han­delt. Sie kön­nen z.B. in einer Rol­len­can­vas beschrie­ben sein.

Wir unter­schie­den fol­gen­de Rollen:

  • Late­ra­le Füh­rungs­rol­len, die nicht mit Funk­ti­on und Posi­ti­on ver­knüpft sind, son­dern der Ver­tei­lung von Füh­rung im von uns beschrie­be­nen Sinn (Bestim­men der Rich­tung von Bewe­gung) die­nen. Zeit­li­che Dimen­si­on: mittelfristig.
  • Ergeb­nis­dien­li­che Mee­ting­rol­len, die der per­sön­li­chen Ent­wick­lung und der Tea­ment­wick­lung nut­zen und Füh­rungs­auf­ga­ben auf ver­schie­de­ne Schul­tern ver­tei­len. Zeit­li­che Dimen­si­on: Kurz­fris­tig. Die­se kön­nen sein: 
    • Wert- und damit Auf­merk­sam­keits­be­zo­gen etwa Fokus­be­schleu­ni­ger, Prinzipienwächter
    • Tätig­keits­be­zo­gen etwa Mode­ra­tor, Visua­li­sie­rer, Quer­den­ker etc.
  • Prä­fe­ren­zenz­ori­en­tier­te Team­rol­len, die der Auf­tei­lung von Ver­ant­wor­tung die­nen. Sie sind teils mit den late­ra­len Füh­rungs­rol­len ver­bun­den. Sol­che Team­rol­len hat Bel­bin ermit­telt. Es kön­nen aber auch Rol­len sein, die sich unter­neh­mens­spe­zi­fisch anbie­ten. Prä­fe­renz­ori­en­tiert bedeu­tet hier, dass es eine Prä­fe­renz des­je­ni­gen gibt, der eine Rol­le annimmt. Die­se beruht in der Regel auf einer in Selbst- und viel­leicht auch Fremd­sicht wahr­ge­nom­me­nen Stärke.

Über Rol­len las­sen sich zahl­rei­che unter­schied­li­che und teils wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen und Inter­pre­ta­tio­nen finden:

Dabei gibt jede Dis­zi­plin eine eige­ne Sicht dazu: Sys­tem­theo­re­ti­ker sehen Rol­len anders als Betriebs­wirt­schaft­ler. In der Psy­cho­lo­gie haben Rol­len noch mal anders defi­niert. Die Sozi­al­psy­cho­lo­gie sieht Rol­len als Sum­me von Erwar­tun­gen und Ansprü­chen an ein Ver­hal­ten. Sie erkennt die Not­wen­dig­keit der Rol­len­fle­xi­bi­li­tät: die Rol­le der Füh­rungs­kraft und die des Coa­ches sind mit­un­ter schwer in Ein­klang zu bringen.

Empi­ri­sche Begründung

Die kon­struk­tei­ge­nen Defi­ni­tio­nen haben dort Gren­zen, wo es um Heli­­ko­p­ter-Bli­ck­­win­­kel geht, wo also nicht die wis­sen­schaft­li­che Betrach­tung aus einer „Schu­le“ im Vor­der­grund steht, son­dern ein über­grei­fen­des, empi­ri­sches, also aus Erfah­rung und Beob­ach­tung begrün­de­tes Verständnis.

Jede Dis­zi­plin sowie wie auch jede gute Theo­rie schafft ihre eige­ne Spra­che, und für Exper­ten macht es Sinn, sich im jewei­li­gen Kon­strukt­vo­ka­bu­lar zu bewe­gen. Ver­lässt ein Begriff Kon­strukt­gren­zen,  wird es schwie­ri­ger.  In The­men wie Agi­li­tät ver­wi­schen Kon­strukt­gren­zen, was Ver­stän­di­gung vor allem unter reflek­tier­ten Prak­ti­kern so wich­tig macht. Die Fra­ge ist dann nicht “was ist der Begriff”, son­dern „was wol­len wir unter einem Begriff verstehen?“.

Wir haben unse­re Fol­lo­wer­power bei Lin­kedin genutzt, um das Ver­ständ­nis für den Begriff der Rol­le zu schär­fen und zu einer pra­g­­ma­­tisch-prak­­ti­­schen Defi­ni­ti­on zu kom­men. Denn: Der Begriff Rol­le schafft im agi­len Kon­text auch eine neue Idee, einen neu­en Inhalt, der Chan­ce bie­tet, das The­ma Füh­rung neu, näm­lich ver­teilt zu verstehen.

Für fol­gen­de Rol­­len-Defi­­ni­­ti­on haben wir uns entschieden:

Rol­len die­nen dem gemein­sa­men „Spiel“ und Ergeb­nis.  Sie beinhal­ten Ver­hal­tens­zu­schrei­bun­gen wie auch Ver­hal­tens­er­war­tun­gen. Besteht ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis von dem, was Rol­le beinhal­tet, kön­nen alle Betei­lig­ten die Ver­hal­tens­er­war­tun­gen teilen.

Zwar sind dann Iden­ti­fi­ka­ti­on, Kom­pe­tenz und Glaub­wür­dig­keit zen­tral für die Über­nah­me einer Rol­le, die Per­son ist aber nicht ver­schmol­zen mit der Rol­le. Per­sön­lich­keit tritt soweit in den Hin­ter­grund wie es der Rol­le dient – aber nur soweit, wie es authen­tisch bleibt. Eine Rol­len kann teils auf Dau­er ange­legt sein, wie etwa der „agi­le Coach“, besteht aber auch vor­über­ge­hend, wie etwa der „Quer­den­ker“ in Mee­tings. Auf Dau­er ange­leg­te Rol­len kön­nen sich mit Funk­tio­nen und Posi­tio­nen ver­bin­den. 

Wir freu­en uns über Gedan­ken und Anre­gun­gen zum Begriff der Rolle.

Bei­trags­fo­to:  Duplass — Shutterstock.com

Und hier noch eine Gra­fik mit Tipps für “Rol­len­ge­stal­ter”:

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