Von Conceptboard zu Mural: Online-Kollaborationstools für Workshops

Videochats haben meist lausige Whiteboards. Für echte Zusammenarbeit im Online-Workshop braucht es zusätzlich Kollaborationssoftware. Doch welche ist die beste?

Früher waren Online-Live-Seminare vor allem Vorträge mit Chat-Begleitung. Kein Wunder, dass es schwierig, diese über mehr als zwei Stunden zu gestalten. Inzwischen hat sich da viel geändert. Es gibt immer mehr echte Online-Workshops, also Veranstaltungen, in denen gemeinsam etwas erarbeitet wird. Dazu brauchen wir in Präsenz Flipcharts und Whiteboards.

Templates oder kreativer Frei-Raum

Online gelingt dieses Erarbeiten mit Kollaborationssoftware, die Freiraum zur kreativen Gestaltung bietet, aber auch Templates mitliefern. Das sind in der Regel Cloud-Lösungen, die oft auch zugleich eine App anbieten. Tenplates sind Vorlagen für unterschiedliche Aufgabenstellungen. In den meisten Softwarelösungen integriert sind Templates für die agilen Meetingformate von Daily über Planning bis Review und Retrospektive. So findet sich die beliebte Starfish-Retro fast überall. Auch Kanbanboards gehören zur Grundausstattung, so bei Conceptboard, Mural und Miro.

„Gruppendynamische Templates“ bei Miro

Design-Thinking-Templates, beispielsweise die Customer Journey sind ebenso ein „Basic“. Spezieller wird es, wenn es beispielsweise um Teamwork geht. Da hat Miro gruppendynamische Tools wie das Johari-Fenster an Board auf Lager.
Ob man solche Vorlagen braucht, ist natürlich die Frage: Viele Moderatoren und Trainer lieben Selbstgemachtes. Auch wir sind keine großen Vorlagen-Fans. So haben wir bei Teamworks Wochen und Monate in die Ausgestaltung eigener „Walls“, Templates und Tools gesteckt. Wir haben unseren Feedbackwürfel in ein „Mural“ übersetzt, ebenso Delegation Poker als interaktives Spiel – und natürlich den StärkenNavigator.
Sobald es individuell wird, gilt aber auch: Die Entscheidung für eine Software bindet auf Dauer an den Anbieter. Die Softwarelösungen lassen sich zwar problemlos an MS Teams & Co. koppeln, sind aber nicht untereinander kompatibel. Und so lässt sich ein Mural-Board nicht einfach so in Miro oder Conceptboard übersetzen. Es muss komplett neu gebaut werden. Wer sich Claudia Thonet Mural anschaut, links im Bild, bekommt eine Ahnung, was das heißt. Und das ist nur ein kleiner TeilDi

 

Selbstorganisation auf dem nächsten Level

Mit Kollaborationssoftware lassen sich Präsenz-Workshops aber nicht einfach nur Online nachgestalten. Selbstorganisation könnte auch auf ein neues Level gehoben werden, wenn jeder mitwirken und mitarbeiten kann. Zumindest theoretisch – sofern entsprechende technische Vorkenntnisse da sind und ausreichend Lizenzen. Ab etwa 10 US-Dollar kostet ein „Account“, der einen Mitglied ermöglicht, solche Templates selbst zu erstellen. Die typische Nutzung ist aber, dass dieses Mitglied Gäste einlädt. Deren Zahl ist teils beschränkt, z.B. auf 50 bei Conceptboard.

Diese Gäste sind dann wie Teilnehmerinnen eines Workshops und können z.B. Boards mit Post-Its füllen sowie diese ordnen und gewichten. Auch die Moderationsrechte lassen sich übertragen. Dann ist der Gast in der Lage, selbst Inhalte zu erstellen. Gästen ist das Mitarbeiten normalerweise ohne eigene Registrierung möglich. Nur einen temporären Link und eine vorübergehende namentlich Anmeldung braucht es etwa bei Mural. Dann flitzt die Maus mit dem eigenen Namen über das Board. Wenn der User daran gedacht hat, seinen eigenen Namen zu nutzen. Bei unseren Veranstaltungen war das nicht immer der Fall. Plötzlich waren da Fremde im Raum. Die Erklärung: Da nutzte jemand den Zugang von Freund oder Freundin.

Oft gewöhnungsbedürftig für neue Nutzer

Das Flitzen mit der Maus fällt vielen allerdings nicht ganz so leicht, so dass wir die Erfahrung gemacht haben, dass man die erstellten Boards besser verschließt, so dass nur der Inhalt bearbeitet und nichts verschoben werden kann. Für viele ist die Arbeit mit diesen Boards ungewohnt. Man braucht seine Zeit, sich zu orientieren. Mural bedient man mit dem Mac ganz anders als mit Windows, was ebenso gewöhnungsbedürftig ist. Dennoch, bisher ist es das Tool unserer Wahl.

Typischerweise nutzen wir Mural parallel zu Zoom, da Zoom immer noch der einzige Anbieter mit den legendären Breakoutsessions ist. Dazu empfehlen wir unseren Blogbeitrag hier, übrigens jetzt auch mit Jitsi. Diese Ermöglichen das Zuordnen von Kleingruppen zu passenden Kollaborationsräumen, in denen die Videochatgruppen dann wie in einer Kleingruppe vor Ort etwas zusammen bearbeiten und sich zugleich über den Chat sehen können.

Dieses Einrichten von Kleingruppenräumen ist bei den meisten vorgestellten Programmen möglich. Zwar bietet das viel gelobte Conceptboard als einziger Anbieter auch einen integrierten Videochat, doch kann es diese nicht direkt Kleingruppen zuordnen. Conceptboard hat allerdings den Vorteil in Halle beheimatet zu sein und deutsche Server zu verwenden, was Datenschutz und IT-Abteilung gewöhnlich positiv stimmen,

Und so ist es wie meist: Die ideale, alles verbindende Lösung gibt es nicht, fast immer braucht es Kombinationen aus mehreren Tools. Typischerweise erfordert ein Workshop deshalb die Arbeit mit mehreren Tools parallel, was für Remote-Softwareentwickler sicher kein Thema ist – wohl aber für Menschen, die sich an „Online“ erst gewöhnen müssen.

Vielleicht sollten die Entwicklerinnern, die wie bei bei Padlet verteilt in der ganzen Welt sitzen und in Squads kollaborieren, doch mal Kundinnen aus anderen Branchen einbinden. Also, wenn man sich nun neue Zielgruppen erschließen will 😉

Unten eine Tabelle mit einem Vergleich von Conceptboard, Miro, Mural. Padlet und Stormboard.

Tabelle Übersicht Kollaborationssofteware

 

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Beitragsfoto: © Rawpixelimages | Dreamstime.com

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