Mut zur Work­­shop-Diver­­­si­­tät: Wie Sie Unter­schie­de bei Prä­senz und Remo­te nutzen

Wie­der haben wir eine Aus­bil­dungs­grup­pe von Team­works­PLUS im Lock­down, unter „light“-Bedingungen aber war die Durch­füh­rung von Semi­na­ren erlaubt. Wir haben uns für einen ande­ren „Hybrid“ ent­schie­den und sehr gute Erfah­run­gen gemacht. Es zeigt sich ein­mal mehr, was wel­che Vor- und Nach­tei­le hat — und wo die Unter­schie­de liegen.

Am Wochen­en­de stand das Modul 3 unse­rer Aus­bil­dungs­grup­pe an. Die Hälf­te der 12 Teil­neh­mer konn­te und woll­te live dabei sein, die ande­re blieb Online. Das Modul-The­­ma „Inter­ve­nie­ren, wenn es mal schwie­rig ist“ umfasst die Schwer­punk­te Füh­rung und Kon­flik­te. Füh­rung ver­än­dert sich im Remo­te­kon­text gera­de stark, weil immer mehr Men­schen im Home Office sind – und viel­fach blei­ben. Dort aber braucht es eine ande­re, so nie gelern­te Füh­rung. Das Glei­che gilt für Online-Kon­­fli­k­­te. Die­se sind nicht eins zu eins zu über­tra­gen. Wir haben also auch die The­men selbst anders als sonst behandelt.

Hybrid mit Voll­kon­zen­tra­ti­on auf Online oder Remote

Die­ses Mal haben wir einen ande­ren „Hybrid“ ver­sucht. Ich, Sven­ja, habe mit sechs Prä­senz­teil­neh­me­rin­nen am ers­ten Tag das The­ma „Füh­rung“ erar­bei­tet und am drit­ten auf deren Pra­xis­fäl­le über­tra­gen. Thors­ten hat am ers­ten Tag mit der Online-Grup­­pe „Kon­flik­te“  bear­bei­tet und am drit­ten mit die­ser deren Praxisfälle.

Übri­gens ver­zich­te ich, Sven­ja, im Gegen­satz zum Früh­jahr inzwi­schen fast voll­stän­dig auf zusätz­li­che Soft­ware wie Mural. Es lenkt zu sehr ab, mich und die ande­ren. Thors­ten hat das anders ent­schie­den. Bei­des funk­tio­niert, auch hier: unter­schied­lich. Heißt: Auch wenn „Online“ die Pla­­nungs- und Struk­tur­be­gab­ten ein­deu­tig Vor­tei­le haben, geht es in klei­nen Grup­pen auch intui­ti­ver und mit Mini­mal­struk­tu­ren, unse­ren „Mikrorol­len“ etwa.

Ler­ne zu Unterscheiden

Beim Ver­ständ­nis unse­rer Ent­schei­dun­gen für das eine oder ande­re ist es hilf­reich, unser Ver­ständ­nis von Tea­ment­wick­lung zu ken­nen. Dies sehen wir auch als eine der wich­tigs­ten Füh­rungs­auf­ga­be gera­de auch im Home Office.

Tea­ment­wick­lung als Pro­zess bezieht sich auf die Pha­sen „Team­buil­dung“ und „Team­coa­ching“. „Kon­flik­te“ ist vor allem ein Aspekt auf der Inter­ven­ti­ons­ebe­ne des Team­coa­chings. Füh­rung bezieht sich auf den gesam­ten Pro­zess und kann nur mit Blick auf die Orga­ni­sa­ti­ons­ebe­ne betrach­tet wer­den. Des­halb unter­schei­den wir Kol­lek­tiv (die Orga­ni­sa­ti­on), gro­ße und klei­ne Grup­pen (hier­zu gehö­ren Teams) und Individuen.

Bei You­Tube gibt es dazu hier ein Video.

Hybri­de Grenzen

Zwar ist die Tech­nik inzwi­schen bes­ser gewor­den als im Früh­jahr, jedoch war die Ver­an­stal­tung bei uns und den Teil­neh­mern am Ende „durch­ge­fal­len“. Die dama­li­ge star­ke Kon­zen­tra­ti­on auf die Tech­nik hat die Auf­merk­sam­keit zu stark gezo­gen. Des­halb raten wir heu­te zu Hybrid­lö­sun­gen inner­halb eines Teil­neh­mer­krei­ses nur,

  • wenn es um grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen mit meh­re­ren Dut­zend oder Hun­dert Teil­neh­me­rin­nen geht und z.B. um Live-Über­­­tra­­gun­­­gen mit Spea­kern und die­se mit auf­wen­di­ger Tech­nik beglei­tet wer­den kann,
  • bei Mee­tings mit ein oder zwei Stun­den Dau­er, z.B. durch Tech­nik unterstützt,
  • bei The­men, die nicht dem gemein­sa­men Ler­nen, son­dern eher dem Dia­log oder Wis­­sens- und Infor­ma­ti­ons­aus­tausch oder der Bear­bei­tung von etwas die­nen (aus die­sem Grund den­ken wir, dass Schu­len das Hybrid-For­­mat vor allem für die älte­ren Schü­ler durch­aus nut­zen könnten).

Fazit nach sechs Monaten

Unser Fazit aus mehr als einem hal­ben Jahr inten­si­ver „Hybrid­ar­beit“: Die oft inten­si­ve, teils köper­be­zo­ge­ne und dia­lo­gi­sche Lern­er­fah­rung wäre gestört, wenn die Online-Grup­­pe mit der Prä­senz­grup­pe drei Tage zusam­men­ar­bei­tet. Das heißt nicht, dass es Remo­te nicht ande­re Kör­per­er­fah­run­gen gäbe.

Facial Feed­back bei Rollenspielen

Bei Rol­len­spie­len mit inten­si­vem Mimik-und Kör­per­feed­back ist Remo­te sogar noch ein­drück­li­cher. Ich habe nie so deut­lich die Facet­ten des Facial Feed­backs gese­hen wir vorm (aus­ge­schal­te­ten) Bild­schirm bei Rol­len­spie­len. Hier ist Online sogar über­le­gen. Aber: Das baut auf Ver­trau­en und die­ses baut sich leich­ter „off­line“ auf.

Für das „Bon­d­ing“ indes ist Prä­senz fast immer bes­ser: Men­schen müs­sen sich nicht nur sehen, son­dern auch „beschnup­pern“. Das Kon­tex­ter­le­ben (Natur etc.) prägt und schärft Wahr­neh­mung, Erin­ne­rung & schafft lang­fris­ti­ge Res­sour­cen – eben auch für wei­te­re Remote-Work.

Unter­schied­li­che Erfah­rung beein­flusst Online-Wirkung

Hin­zu kommt eine sehr diver­se Erfah­rung mit Online, wes­halb ich den­ke, der Begriff „Online-Diver­­­si­­tät“ müss­te das bis­he­ri­ge Ver­ständ­nis von Diver­si­tät ergän­zen. Per­sön­lich­keit ist ganz ent­schei­dend durch Online-Erfah­­run­­­gen geprägt und durch­aus auch geformt.

Je län­ger Men­schen online arbei­ten, des­to eher haben sie oft auch eine ande­re Online-Intui­­ti­on ent­wi­ckelt. Das führt nicht sel­ten zu einem (wie­der) stär­ke­ren Wunsch nach Begeg­nun­gen. Dazu gibt es deut­li­che per­sön­li­che und kon­tex­tu­el­le Unter­schie­de.  Heißt: Bes­ser nicht über einen Kamm scheren!

Ent­­­we­­der-Oder oder Mix

Ent­­­we­­der-Oder erscheint uns sinn­vol­ler, eben­so wie ein Mix: Mal ein Online-Live-Work­­shop, mal Prä­senz, aber nicht Online-Teil­­neh­­mer mit Prä­senz mischen, außer in den Pau­sen. Da kommt aller­dings ein wei­te­rer Aspekt hin­zu: in Prä­senz ist die kuli­na­ri­sche Ver­sor­gung meist bes­ser… Zudem tei­len alle das glei­che Essens­er­leb­nis, was auch verbindet.

Auf­grund unse­rer Erfah­rung brin­gen wir des­halb jetzt eine rei­ne Remo­­te-Vari­an­­te für Team­works­PLUS® und agi­ler Coach an den Start, die sich in Sachen Auf­bau und Struk­tur von den Prä­senz­for­ma­ten unter­schei­det. Die Vor­tei­le von Online-Ler­­nen wol­len wir so eben­so opti­mal wie die von Präsenzformaten.

Zum Schluss noch eine Über­sicht zum The­ma „Was sind Vor­tei­le von Prä­senz und Remo­te“. Die Zusam­men­stel­lung basiert auf einem Team­work von Grup­pe 3 „Prä­senz“ vom 14.11.2020, die im Fracht­raum am Neu­en Wall statt­ge­fun­den hat.

Dan­ke an alle Beteiligten!

Tabel­le: Was sind Vor­tei­le von Prä­senz und Remote

Vor­teil Präsenz Vor­teil Remote Ach­tung!
Ech­ter Blickkontakt Täu­schen­der Blick­kon­takt (Web­cam) Ermü­dung durch län­ge­ren Blick in die Webcam
Ganz­heit­li­che Körperintuition Stim­me und Mimik kann ein neu­es Gewicht bekommen Stark abhän­gig von Tech­nik (ver­stärk­tes Hal­len bei MS Teams, Aus­stat­tung Teilnehmerinnen)
Intui­ti­on ist gelernt und kommt schneller Es braucht viel Erfah­rung um eine Remo­­te-Intui­­ti­on aufzubauen Refle­xi­on muss sich Remo­te auch auf das Ler­nen von Remo­­te-Inter­ak­­ti­o­­nen beziehen
Kör­per­li­che Berührung Mehr Nähe zur Mimik und des­halb in klei­nen Set­tings mehr Aufmerksamkeit Die Vor­tei­ler Remo­te zu nut­zen erfor­dert tie­fe­res Ver­trau­en als es ikn Prä­senz nötig wäre
Macht- und Ein­fluss­ver­hält­nis­se kön­nen schon durch Raum­ver­hal­ten und Sitz­ord­nung sicht­bar werden Macht- und Ein­fluss­ver­hält­nis­se sub­ti­ler und noch mehr durch „Son­der­rech­te“ erkenn­bar (Her­ein­plat­zen, Unpünktlich) Tra­di­tio­nel­le Füh­rungs­kräf­te emp­fin­den hier schnell Macht­ver­lust, Selbst­be­wusst­sein sinkt
Nähe und Distanz-Ver­­hal­­ten gibt Infor­ma­ti­on über Mensch, Grup­pe und Tie­fe der Interaktionen Nähe und Distanz sind nur regu­liert durch Bild­schirm­ein­stel­lun­gen und Sitzhaltung Täu­schung durch Anord­nung der Bild­schir­me, Blick auf 2. Bild­schirm etc.
Stö­run­gen sind sofort sichtbar Stö­run­gen kön­nen leich­ter ver­bor­gen werden Kon­flikt­ver­hal­ten Remo­te muss reflek­tiert sein
Unver­zerr­te Wahrnehmung Ver­zerr­te Wahr­neh­mung durch Tech­nik auf allen Seiten Das Bewusst­sein für die­se Ver­zer­rung muss da sein, damit sie als sol­che Ver­stan­den wer­den kann
Ver­hal­ten in der Grup­pe durch Raum und Bezie­hung geprägt Ver­hal­ten in der Grup­pe kann weni­ger dadurch gestört sein, unmittelbarer Situa­ti­on und Kon­text beein­flus­sen immer
Wahr­neh­mung Mensch im Raum und in Bewegung Ande­re kom­men über Distanz nach „Hau­se“ Kon­text­wahr­neh­mung ist ent­schei­dend für Mensch-Wahr­­neh­­mung, Remo­te ande­re Information

Bei­trags­fo­to: Eldar Nur­ko­vic Shutterstock

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