Mount Stupid: Der Gipfel der Ahnungslosigkeit, den keiner merkt

Kennen Sie das? Mit absoluter Überzeugungskraft erklärt Ihnen jemand die Welt. Auch wenn sie bisher glaubte, sie müssten links abbiegen, danach fahren sie rechts. Natürlich war das falsch. Denn: Gerade sehr selbstbewusste Menschen sind oft weniger kompetent. Sie stehen oben auf dem „Mount Stupid“.

Der Mount Stupid ist der Punkt, an dem Menschen glauben, etwas verstanden zu haben – aber da ist maximal Halbwissen. Dieser Irrtum bleibt ihnen selbst verborgen. Auch andere merken ihn nicht, weil selbstüberzeugte Menschen eben besonders überzeugend wirken. Je weniger Selbstzweifel, desto mehr Vertrauen erzeugt das bei anderen. Der Stümper erkennt sich selbst nicht – wahre Meisterschaft ist ihm suspekt. Das besagt der Dunning-Kruger-Effekt, den wir hier beschrieben haben.

Mount Stupid geht auf den amerikanischen Cartoonisten Zach Weinersmith zurück, der diesen Effekt vor einigen Jahren aufgriff. Gunter Dueck brachte ihn dann mit dem Gardner Hype Cycle überein, der die Phasen technologische Hypes beschreibt – der Mount Stupid ist hier der Gipfel der überzogenen Erwartungen. Es klingelt? Genau, Agilität ist vermutlich vor einiger Zeit dort angekommen.

Ausführlicher hat das Guido Bosbach in seinem Blog beschrieben und auf Agilität bezogen.

Was steckt aus psychologischer Sicht dahinter?

Wir mögen es, wenn andere uns Sicherheit geben, denn das entlastet uns davon, selbst nachdenken und Entscheidungen treffen zu müssen, deren Komplexität uns überfordert. Gerade Manager sind oft vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie nach außen sehr selbstbewusst wirken. Sogar eine überzogene Selbstüberschätzung zahlt sich aus. Hinzu kommt, dass Kompetenz, die sich vor allem aus Erfahrung in menschlichen Kontexten speist, notorisch unterschätzt wird, da ihr die Messbarkeit fehlt, sie also durch typische BWL-Raster fällt.

Die Wahrheit jedoch ist: Wirkliche Meisterschaft führt durch ein Tal der Selbstbewusstseinseinbußen – dann, wenn ich richtig merke und spüre, dass ich etwas eben doch nicht so kann wie gedacht. Beispielsweise kann das der Fall sein, wenn die ehemalige Führungskraft jetzt eine agile Rolle ausübt. Wenn sie diese wie vorher interpretiert, kann man davon ausgehen, dass der Mount Stupid erklommen ist…

Eine Erschütterung täte gut – etwa durch „Auflaufen“, die Erfahrung eigener Grenzen und richtig gutes Feedback. Dadurch muss man nicht gleich im Tal der Verzweiflung landen, jedoch ist es eine logische Konsequenz, das nun das Selbstbewusstsein abknickt. Das in Kauf zu nehmen ist die Basis für weiteren Kompetenzaufbau. Es folgt eine oft sehr lange Zeit des Lernens – und der kleinen Brötchen. Der Lohn könnte eine neue Meisterschaft sein.

 

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